Etikette: Die wichtigsten Regeln für’s Geschäftsessen

Das Messer in die rechte Hand, die Gabel in die linke, aufrecht sitzen und nicht mit vollem Mund sprechen. Die Grundlagen der Tischmanieren sind oft Bestandteil der Kindererziehung.

Inhaltsverzeichnis

Gelernt ist gelernt

Um bei einem förmlichen Mahl nicht negativ aufzufallen, gibt es allerdings noch diverse weitere Regeln zu beachten. Oft werden diese und weitere Benimmregeln auch als „Knigge“ bezeichnet. Die Veröffentlichung des Werks „Über den Umgang mit Menschen“ durch Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge liegt nun beinahe 230 Jahre zurück. Auch wenn das Buch selbst weder Benimmregeln noch kleinschrittige Anleitungen für den zwischenmenschlichen Umgang enthält, ist der Name des Autors im deutschsprachigen Raum zum Synonym für Etikette geworden. 

Seit einigen Jahren erleben Benimmratgeberwieder einen Aufschwung. Gerade im Berufsleben ist die Kenntnis der Regeln wichtig, denn du willst dich schließlich weder vor dem Geschäftspartner noch vor deinen Kollegen oder gar dem Vorgesetzten blamieren. Im Folgenden findest du eine Auflistung der wichtigsten Regeln:

1. Das Besteck

Bei mehrgängigen Menüs kann man schon mal mit folgender Situation konfrontiert werden: Drei Messer rechts, zwei Gabeln und ein Esslöffel links, ein Teelöffel und eine Kuchengabel oben. Das sollte dich nicht ins Schwitzen bringen, denn wenn wir eines aus dem Film „Titanic“ gelernt haben, dann dieses: Man benutzt immer jeweils das Besteck ganz außen, arbeitet sich Gang für Gang nach innen vor und benutzt für den Nachtisch schließlich das sich oberhalb des Tellers befindliche Besteck.

Das benutzte Besteck legt man immer auf dem Teller ab, nie auf der Tischdecke. Gekreuztes Besteck bedeutet, dass man noch weiter isst, parallel unten rechts auf dem Teller platziertes signalisiert, dass man mit dem jeweiligen Gang fertig ist. Auch die Gläser werden von außen nach innen verwendet.

(Foto: Pixabay)

2. Buffet

Auch wenn der Hunger groß ist: Springe nicht sofort auf, wenn das Buffet eröffnet wird. Lasse dir Zeit und reihe dich in die Schlange ein. Halte dabei auch die Reihenfolge der Gänge ein – der Koch hat sich etwas dabei gedacht. Sich schon am Dessertbuffet zu bedienen, während deine Tischnachbarn noch Suppe löffeln, weil dort weniger los ist, ist schlechter Stil. Lade dir deinen Teller auch niemals zu voll. Dafür kannst du so oft wieder ans Buffet gehen, wie du magst. Nehme dir dabei immer einen neuen Teller, der alte wird abgeräumt.

3. Bestellung à la carte

Du bist eingeladen, dürfen die Speise oder das Menü aber selbst wählen? Um nicht unverschämt zu erscheinen, machen viele ihre Entscheidung schnell am Preis fest, selbst wenn sie das Lammfilet mehr anspricht als die Ravioli. 

Ein guter Gastgeber gibt seinen Gästen daher einen dezenten Hinweis, indem er etwa eine Empfehlung ausspricht. Die Bestellung kann sich dann im preislichen Rahmen dieser Empfehlung bewegen.

Rotwein zu rotem Fleisch, Weißwein zu weißem Fleisch und Fisch? Diese einfache Regel gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. Wenn du unsicher sind, frage deinen Gastgeber oder den Kellner nach einer Empfehlung. 

Der Konsum von Alkohol wird in Deutschland allerdings längst nicht mehr von dir erwartet. Es ist daher völlig in Ordnung, wenn du ein alkoholfreies Getränk bestellst. Ansonsten gilt bei Alkoholkonsum grundsätzlich: Übertreibe es nicht und bestelle immer auch Wasser dazu.

Krustentiere: Stellen so manchen Hungrigen vor Herausforderungen (Foto: Pixabay)

4. Unbekannte Speisen

Mangalica-Schwein, Tonkabohnen und Risoléekartoffeln hast noch nie gehört, geschweige denn gegessen? Keine Panik, du bist sicherlich nicht die einzige Person am Tisch, der es so geht. Umso dankbarer werden deine Tischgenossen sein, wenn du den Kellner oder Gastgeber um eine Erläuterung bitten.

Das Gleiche gilt übrigens, wenn dir eine Speise serviert wird, von der du nicht weißt, wie du sie verzehren sollst, etwa Schalentiere. Frage ruhig den Kellner, er wird es dir erklären.

Das Mangalica-Schwein ist übrigens ein ungarisches Wollschwein, Tonkabohnen sind Früchte des Tonkabohnenbaums, der in Äquatornähe heimisch ist, und haben einen vanilleähnlichen Geschmack. Risoléekartoffeln sind eine Form von Bratkartoffeln.

5. Brot

Bei Brot denkst du an die klassische deutsche Stulle, Schnitte, Kniffte, Bemme oder das Bütterken, wie man regional jeweils unterschiedlich sagt? Das ist nachvollziehbar, hat aber mit dem Brot, das bei einem gesetzten Essen gereicht wird, nichts zu tun. Hier wird Brot grundsätzlich gebrochen (und nicht geschnitten) und in kleinen Bissen verzehrt. 

Falls Butter oder anderer Aufstrich dazu gereicht wird, bestreicht man bei Baguette die mundgerecht abgebrochenen Stücke mit dem Aufstrich, bei Toast- oder Schwarzbrot buttert man die ganze Scheibe und verzehrt sie mit kleinen Bissen.

(Foto: Pixabay)

6. Das Tischgespräch

Gepflegte Tischkonversation ist wichtig – sonst hättest du ja auch allein zuhause essen können. Esse langsam und nutze die Gelegenheit. 

Bei der Auswahl der Gesprächsthemen gibt es dabei international große Unterschiede. Während man in Deutschland bei einem Geschäftsessen ruhig relativ schnell zur Sache kommen kann, wird das Essen in vielen Ländern primär zum Anlass genommen, sich erstmal besser kennenzulernen. Beobachte deine Gesprächspartner und lote aus, was angemessen ist und was nicht. Themen wie das Essen, Sport oder aktuelle kulturelle Ereignisse sind unverfänglich. Meide heikle Themen wie Politik und Religion.

Auch wenn du hungrig bist und der dampfende Teller bereits vor dir steht: Beginne erst mit dem Essen, wenn der Gastgeber das Signal dazu erteilt.

7. Fallen

Mit Spaghetti Bolognese hast du so deine Probleme? Lasse es. Bestelle nur Gerichte, die du auch unfallfrei und geräuscharm verzehren können. Denke an Fisch mit Gräten, Fleisch am Knochen, Spargel, Austern, aber auch etwa Burger.

Die Kartoffeln könnten mehr Salz vertragen, das jedoch steht auf der anderen Seite des Tisches? Lange nie über den Tisch, sondern bitte immer den dem Salz am nächsten Platzierten, es dir zu reichen. Halte dich jedoch mit dem Nachwürzen zurück. Du willst ja nicht den Koch beleidigen.

Apropos Kartoffeln: Vielleicht hast du noch gelernt, diese niemals mit dem Messer zu schneiden. Diese Regel gilt nicht mehr. Damit Kartoffeln die dazu gereichte Soße besser aufnehmen, empfiehlt es sich jedoch, diese mit der Gabel zu zerteilen. Niemals solltest du sie jedoch mit der Gabel „zermatschen“. Das Gleiche gilt für Gemüse.

Als Herausforderung erweist sich für Viele immer wieder die Serviette. Entweder ist sie kunstvoll direkt vor dir drapiert oder sie liegt links von deinem Teller. Achte auch hier wieder darauf, was der Gastgeber tut. Spätestens wenn das Essen serviert wird, entfalte die Serviette und legen sie diese auf deinen Schoß. Nutze sie, um die Lippen abzutupfen, bevor du einen Schluck trinken. So vermeidest du unschöne Ränder auf den Gläsern. Die Serviette wird niemals zum Schnäuzen verwendet. Nach Abschluss des Essens platziere sie wieder zusammengefaltet links neben deinem Teller. 

Wenn du dich zwischendurch erhebst, kannst du die Serviette auch über die Stuhllehne legen. Lege die Serviette jedoch niemals auf die Sitzfläche des Stuhls und auch nicht auf deinen Teller, auch dann nicht, wenn es sich um eine Papierserviette handelt.

Kartoffeln: Mit dem Messer schneiden? (Foto: Pixabay)

Und warum das Ganze?

Ob du es glaubst oder nicht: Alle diese Regeln haben einen tieferen Sinn. Da sich der dahinterstehende Grund jedoch mit der Zeit verändern und regional unterschiedlich entwickeln kann, können sich auch die Regeln ändern. So schnitt man etwa Kartoffeln lange Zeit deswegen nicht mit dem Messer, weil die enthaltene Stärke die Messerklingen verfärbte. Dieses Problem gibt es heute nicht mehr. Tischsitten haben immer solche praktischen Gründe oder sind Sekundärtugenden wie Höflichkeit und Respekt vor den Mitmenschen zugeordnet. 

Auch dem Freiherrn von Knigge ging es nicht um die Einhaltung von Regeln um der Form willen, sondern um den zwischenmenschlichen Umgang im Sinne der Aufklärung. Das mag nicht jedem bewusst sein, unterbewusst ziehen Menschen aber durch das Verhalten ihrer Mitmenschen schnell Rückschlüsse auf deren sonstige Fähigkeiten und ihren Charakter. Bemühe dich also um gute Manieren – besonders beim Essen. Beachte aber auch, dass in anderen Ländern unter Umständen andere Sitten herrschen. Informiere dich daher bei Auslandsreisen vorher über lokale Sitten und Gebräuche – schließlich sollen deine Geschäftsbeziehungen nicht an einem Essen scheitern.

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